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Testberichte Yaesu FT-817 |
"erster" Praxistestbericht vom Peter, DL2FI |
Hallo QRPer und Selbstbauer, wie versprochen, hier ein kurzer Vorabbericht über meine Erlebnisse mit dem FT-817. Die erste Bekanntschaft mit dem FT-817 war eher eine der dritten Art: kein bisschen körperlich, eher ein wenig astral. Auf dem Internet-Listserver tauchte ein Bericht über einen neuen Allband Transceiver von Yaesu FT-817 auf. Kleiner als ein Autoradio, mit allen AFU Bändern von 160m bis 70cm und natürlich mit dscheneral Kofferitsch riziehver. Gesehen hatte ihn der OM auf einer Messe in Yokohama, alle Daten stammten aus einem japanischen Prospekt. Mutig, mutig, direkt in der Höhle des Löwen, auf dem Listserver des Einen und Einzigen, des USA-QRP Heiligtums K2 von einem japanischen Transceiver zu berichten. Sofortige allseitige Recherchen im IN blieben zu dem Zeitpunkt erfolglos, der 817 blieb ein Phantom. Dafür blühten aber die Vorurteile. Wie sollte auch in einem sooooo kleinen Gerät irgend etwas HF-mäßig vernünftiges untergebracht worden sein. Die Spekulanten sprachen von einem miniaturisierten FT-100 und diskutierten über den zu erwartenden Preis und die Stellung des 817 im Vergleich zum K2. Einige Woche später hatten einige OM den 817 auf dem Tisch und die Berichte schwankten zwischen heftiger Kritik und vorsichtigem Lob, boten also kaum eine Möglichkeit sich zu informieren. Ein Originalprospekt, dass mir Matthias, DF2OF aus Japan zuschickte half wahrscheinlich wegen meiner unzureichenden Japanisch-Kenntnisse auch nicht sehr viel weiter. QRPern, die mich mit Fragen zum 817 anriefen ("DU musst doch informiert sein, du gehörst doch zum FA") konnte ich auch nur sagen, dass ich mir nicht vorstellen könne, dass ein so kleines Geräte von 160m bis 70cm auch nur einigermaßen gut funktionieren kann. Inzwischen hat die Redaktion des FA einen FT-817 aufgetrieben, und einen Testbericht veröffentlicht. Aus Zeitgründen konnte ich mich an dem Test nicht beteiligen, die Testphase lag genau während meines Weihnachtsurlaubs. Seit dem letzten Freitag habe ich nun aber das Gerät auf dem Stationstisch. Ausrüstung: FT-817 am 13,8V Netzteil und meine frisch renovierte Stromsummenantenne 41 Meter lang, 23 Meter hoch, Annecke Koppler. Für 2m eine 4 ELE Tonna und eine Kollineare Vertical, für 6 Meter musste die Stromsummenantenne herhalten. Leser des QRP-QTC wissen, dass das eigentlich eine Installation ist, die ich selbst oft genug als unfair beschrieben habe: Ein Mobilgerät ist für eine Mobilantenne konstruiert und nicht für eine große Hochantene, ein Portabelgerät kann eigentlich nicht an den Ergebnissen an einem Monster-Allband gemessen werden - es sei denn, die Ergebnisse sind gut. Für UKW ist die Antenenausrüstung eher minimal zu nennen, aber auf den Bändern fühle ich mich sowieso nicht zuständig. Der Test: Etwa 17 Uhr MEZ am Freitag nachmittag habe ich das Gerät angeschlossen und eingeschaltet. Zufällig meldete sich der 817 auf 40m. Antenne gecheckt, Anpassung geprüft und kurz über das Band gedreht. Laute Signale überall, keine Stelle, wo das S-meter unter S9 anzeigt, am lautesten irgendwo bei 7075kHz Nino Rossi mit "Il Silencio". Für die Jüngeren: Das war mal ein großer Hit, ein Trompeten-Solo. Von Il Silencio, der grossen Stille konnte gar keine Rede sein. Das ganze 40 Meter Band brodelte und stöhnte vor Intermodulationen, dabei war es draußen noch gar nicht dunkel. Also doch alle Vorurteile bestätigt. Zumindest so lange, bis ich eine Rohfassung der Bedienanleitung zu Rate gezogen hatte. Die Tasten sind zwar klein und nur mit spitzen Fingern zu bedienen (was k e i n e Kritik ist, auf eine soooooo kleine Frontplatte paßt einfach nicht mehr drauf), aber die Bedienung über das Doppelmenü und die Softkeys ist absolut genial gelungen. Was ist das? 1. Für einen grossen Teil der wichtigen Funktionen gibt es eine Art Direktzugriff. Kurzer Druck auf die "F" Taste, und oberhalb der drei Bedientasten erscheint die Beschriftung der Tasten. Rödeln des sonst für die Kanalwahl zuständigen Knopfes läßt die Beschriftung und damit die Funktion der 3 Tasten von einer Gruppe zur anderen springen. Das sind softkeys, keine feste zuordnung, sondern variable. Das Menü für komplexere Funktionen erreicht man durch einen langen Druck auf die "F" Taste. Danach erscheint ein fast endloses Menü, in dem man so ziemlich alle Grundfunktionen eines Transceivers einstellen kann. Von AM Modulationsgrad bis Abfallzeit bei CW, Kanalraster für AM Rundfunk (1kHz, 2,5 kHz, 5 kHz) bis zu ich weiß nicht was. Ich habe nicht gezählt, wieviel Funktionen es gibt, dazu reichen die 3 Tage Testbetrieb nicht aus. Was habe ich als erstes eingestellt: Vorverstärker raus, Attenuator rein. Das sind wirklich nur 2 Tastendrucke und der Erfolg ist beachtlich: Nino Rossi verschwunden, an der gleichen Stelle ein SSB QSO, schwach, aber deutlich verständlich. Die Wiedergabe über den logischerweise recht kleinen Lausprecher ist gut, erstaunlich gut sogar. Langsames rüberdrehen Richtung CW Bereich zeigt im Moment keine nenneswerten Störungen dur IM-Produkte. Im CW Bereich: leichtes Scheppern durch starke CW Signale. Hört sich an, als wenn der Noiseblanker eingeschaltet sei. Handbuch, Softkey, NB - ist aus. er ist es also nicht.Schade, daß das Collins-CW Filter nicht eingebautist. Im jetzigen Zusatand ist die Regelung eindeutig etwas überfordert, wenn in der Nähe Signale mit 20 über 9 vorhanden sind. Ihr kennt das, man hört schepperndes, kratzendes rauschen im CW Rhythmus. Um es aber deutlich zu sagen, es ist nicht sehr schlimm, das habe ich bei anderen Geräten der 3kDM Klasse schon schlimmer gehört. Pause, Bausätze müssen gepackt werden. 19:00, die gemeinste Zeit an meiner Antenne. Da hat schon so mancher RX völlig versagt. Der 817 hört sich überraschend ruhig an. Zwischen 2 Telgrafisten geht das S-Meter fast auf 0 runter. An einigen Stellen im 40m Band sind Phantomsignale aufgetaucht, die ich weder mit dem FT1000D noch mit dem K2, die ich inzwischen an den Antennenumschalter gehängt habe höre. Aber keine Aufregung, das 40m Band ist bis auf einige kleine Einschränkungen voll nutzbar. Signale, die mir auf dem FT1000D ein leichtes zucken des S-Meters bescheren, sind auf dem 817 zu lesen, wenn sie nicht gerade auf einer der IM Stellen liegen. Der Gesamteindruck ist: besser als das meiste, was ich in letzter Zeit gehört habe. Die Empfindlichkeit reicht aus, das Hintergrundgeräusch ist nicht so ruhig, wie beim K2, aber weit besser als erwartet. Wenn da noch ein CW Filter reinkommt, könnte das richtig gut werden. Am nächsten morgen 10 Meter. Das Band ist weit offen, alles was ich mit K2 oder FT1000 höre, höre ich mit dem 817 auch. test QSOs bescheinigen allesamt eine gute, aber etwas dünne Modulation in SSB. In AM soll die Modulation grausam sein, es ist mir aber bekannt, dass man SSB Sender für AM Betrieb sehr sorgfältig einstellen muss, wozu ich keine Zeit hatte. FM funktioniert sehr ordentlich. Zwischendurch mal ein kurzer Test auf 2Meter. In SSB wird die Modulation gelobt, die Empfindlichkeit des RX ist vergleichbar mit der meines TS780, der Riesen Multimode Duoband- Kiste. FM ebenso. Mehr kann und will ich nicht dazu sagen, auf 2m fehlt mir sowohl die Antenne als auch die Erfahrung. Auf 6 Meter kann ich mit dem Bodan six vergleichen. Der 817 scheint ausreichend empfindlich zu sein, das Sendesignal ist in Ordnung. Fazit: Ich habe noch nie, auch nicht bei Eigenbauten gesehen, dass jemand in ein so kleines Gehäuse soviel gutes hereingebaut hat. Sicher, die Kiste ist nirgendwo Weltspitze, aber dafür, dass sie so klein ist, ist das was sie bietet sensationell! Tauglicher auf KW in den Amateurbereichen als so manches große Gerät! Kurzwellenrundfunk ausgezeichnet. 2 Meter FM, aber auch SSB gleich mit eingebaut. UKW Rundfunk kann man prima hören. Die Kritikpunkte muss man teilweise daran messen, was machbar wäre. In ein Gerät, das weniger als 4 cm dick ist, paßt nun mal kein 6*6cm großes Display rein, die Knöpfe lassen sich auch nicht beliebig dick machen. Das schon mehrfach angesprochene klappernde Relais hat bei mir nicht so sehr laut geklappert, da bin ich vom SG2020 schlimmeres gewöhnt. Die CW Geschwindigkeit läßt sich nur nach drücken von 2 Tasten verstellen, das ist blöd, aber erträglich. Der Batteriebetrieb ist ein Witz, die Mignons sind so schnell platt, dass es sich gar nicht erst lohnt, ein QSO anzufangen. Aber es gibt ja externe Akkupacks und Steckernetzteile und für extremes Backpacking empfehle ich ja dann doch eher eher den SST oder SW+ als den K2 oder den FT817. Das Batteriefach selbst scheint mir etwas schwächlich konstruiert zu sein. Ich glaube nicht, dass es sehr viel auf und zu überleben wird. Wenn ich alles erlebte an der Kleinheit des Gerätes messe, muss ich zugeben: ich würde zwar den K2 nicht gegen den FT817 tauschen, aber zusätzlich haben möchte ich für manche Zwecke den 817 schon lieber als alles andere, was man zur Zeit auf dem Markt der Fertiggeräte anbietet. Peter, DL2FI |